Das Übernatürliche ist zwischen uns

In den Nachkriegsjahren konnte man einer Vielzahl außerordentlicher, mystischer Phänomene beiwohnen, wie Erscheinungen, Eingebungen, Botschaften des Himmels, die praktisch in allen Ländern der Erde vorkamen. Der bekannte französische Mariologe René Laurentin hat Hunderte davon untersucht und viele Bücher über dieses Argument geschrieben, die im katholischen Buchhandel leicht erhältlich sind. Die Autoren, welche sich mit diesen Vorkommen befaßten, sind in der Tat viele, doch ist der internationale Ruf Laurentins, seine früheren Studien über Lourdes und die solide, wissenschaftliche Beweisführung für die Untermauerung ausreichend.

Im übrigen ...

Ist es vergeblich, die Skeptiker und noch dazu die modernen Pharisäer zu überzeugen suchen, denn sie nehmen damals wie heute eine feindliche Haltung gegenüber all dem ein, das sie aus dem behaglichen Sessel hervorzuholen droht, zu dem sie ihr Priestertum reduziert haben. Wie kann man von jenen Interesse für Erscheinungen erwarten, die lehren, daß die Wunder des Herrn nur symbolischen oder frommen Charakter haben, oder erbauliche Geschichten der ursprünglichen Gemeinschaft sind, und die an der wirklichen Anwesenheit des Herrn in der Eucharistie zweifeln?

Indem sie vergessen, daß die Kirche ohne die Erscheinungen Jesu nach der Auferstehung gar nicht entstanden wäre, sprechen sie Gott und der Madonna die Freiheit ab, nicht so sehr um neue Lehren aufzustellen, sondern zu ihren Kindern zu sprechen. Oder sie kümmern sich nicht darum und betreiben systematisch Obstruktion.

Die Kirche kennt schon seit jeher mystische Phänomene, jedoch nicht in der derzeitigen Vielzahl und Verbreitung, wie in unserem Jahrhundert, besonders in der zweiten Hälfte. 

Die Kirche kennt schon seit jeher mystische Phänomene

 Jedoch nicht in der derzeitigen Vielzahl und Verbreitung, wie in unserem Jahrhundert, besonders in der zweiten Hälfte. Die Kirche ist jedoch zweigeteilt: Auf der einen Seite jene, die wirklich an das Übernatürliche glauben, auf der anderen Seite jene, die behaupten daran zu glauben, jedoch damit beschäftigt sind, die Geschichte mit menschlicher Kraft, Vernunft, Aktivismus, Leistung, "Kultur", voranzutreiben, indem sie praktisch die Tradition (und die Eucharistie) als Eingebung und abstraktes Andenken herabsetzen.

Es gibt eine falsche schleichende ökumenische Bewegung, die den Verzicht der katholischen Wahrheiten vorbereitet, zum Zweck eines Übereinkommens um jeden Preis mit dem protestantischen Gedanken im Namen der Moderne. Während sich im Hintergrund Entchristianisierung, Synkretismus und New Age abzeichnen - zukünftiges neues Zeitalter ökologischer Sünder -, findet ein universaler Tanz um das goldene Kalb statt, als tragische Parodie einer neuen, gottlosen Schöpfung.

Wo steht der Nachfolger Petri? Alle kennen die Antwort, aber vielleicht ist weniger bekannt, daß im Vatikan selbst ein Drittel mit ihm und zwei Drittel gegen ihn sind.

Das Volk Gottes wird herumgebeutelt 

und überall von den triumphierenden und ungebremsten Bewegungen des Materialismus und Hedonismus bedrängt. Wie Laurentin zu sagen pflegt, hat sich die Welt beschwingt der Sünde ausgeliefert und läuft auf ihren Untergang zu. Selbst das Wort Sünde ruft Verlegenheit oder Abneigung hervor und man spricht nicht mehr darüber, wie bei einer bereits überwundenen Angelegenheit. Aber die schrecklichen, täglichen, Lokal- und Weltnachrichten widersprechen durch die Vorkommnisse solcher Illusion.

Wieso sollte Gott nicht auch in dieser Ansammlung von extremen Bosheiten extreme Heilmittel einsetzen? Und siehe, das Außerordentliche ist unter uns, und wer Augen hat, kann es sehen. Wer sich als Pilger (nicht Tourist) an einen Ort begibt, wo echte Erscheinungen stattfinden, kann oft Erfahrung davon machen. Das Außerordentliche ist für den Glauben nicht erforderlich, es ist ein freies, geheimnisvolles Geschenk Gottes. Nötig sind der Glaube, die guten Werke und Bußübungen, um die eigene Bekehrung fortzusetzen.

Das Außerordentliche ist für die Rettung nicht unbedingt notwending, aber es vonvornherein ablehnen oder lächerlich machen, ist verwegen.